Stand: 29.10.2026 · 6 Min. Lesezeit

Bewerbungsfoto: ja oder nein?

Lange galt in Deutschland: Ohne Foto ist eine Bewerbung unvollständig. Das hat sich geändert. Heute ist das Bewerbungsfoto freiwillig, und viele Bewerbungen gehen ganz ohne Bild hinaus. Trotzdem ist das Foto im deutschsprachigen Raum weiterhin verbreitet, und manche Personaler sehen es gern.

Ob du ein Foto beilegst, ist deine Entscheidung. Damit du sie gut treffen kannst, erklären wir hier, was das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz damit zu tun hat, wann ein Foto hilft, wann du besser darauf verzichtest und worauf es bei Format, Platzierung und Wirkung ankommt.

Lebenslauf und Anschreiben zusammen für 2,99 € einmalig. Kein Abo.

Ist ein Bewerbungsfoto Pflicht?

Nein. Es gibt keine Pflicht, einer Bewerbung ein Foto beizulegen. Eine Bewerbung ohne Foto ist vollständig. Das gilt für Bewerbungen per E-Mail und über Portale genauso wie für eine Mappe auf Papier.

Hintergrund ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, kurz AGG, das 2006 in Kraft getreten ist. Es verbietet, Bewerber unter anderem wegen ihres Alters, ihres Geschlechts, ihrer ethnischen Herkunft, ihrer Religion oder einer Behinderung zu benachteiligen. Auf einem Foto sind manche dieser Merkmale sichtbar oder werden vermutet. Fühlt sich ein Bewerber benachteiligt, kann ein verlangtes Foto im Streitfall als Hinweis gewertet werden. Viele Unternehmen verzichten deshalb darauf, ausdrücklich ein Foto zu verlangen.

Was das für dich heißt

Du darfst ein Foto beilegen, du musst es aber nicht. Verlangt eine Anzeige ein Foto, kannst du dich trotzdem ohne bewerben. Das ist eine allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Mit oder ohne Foto: Vor- und Nachteile

Gründe für ein Foto

Ein gutes Foto macht die Bewerbung persönlicher. In Berufen mit viel Kundenkontakt, etwa im Verkauf, in der Gastronomie oder im Empfang, kann ein freundlicher, gepflegter Eindruck ein Pluspunkt sein. Und weil Fotos in Deutschland lange üblich waren, erwarten manche Personaler sie noch immer.

Gründe gegen ein Foto

Ohne Foto zählen nur deine Qualifikationen. Wenn du befürchtest, wegen Alter, Herkunft oder Aussehen in eine Schublade gesteckt zu werden, ist das ein guter Grund, das Foto wegzulassen. Ein schlechtes Foto schadet außerdem mehr, als gar keines.

Eine einfache Entscheidungshilfe: Hast du ein aktuelles, gutes Foto und bewirbst du dich in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, kann es die Bewerbung abrunden. Hast du nur ein altes Passbild oder ein Urlaubsfoto, lass es lieber weg. Bewirbst du dich in englischsprachigen Ländern wie Großbritannien oder den USA, ist ein Foto im Lebenslauf unüblich und wird oft sogar ungern gesehen.

Woran du ein gutes Bewerbungsfoto erkennst

Ein Bewerbungsfoto soll zeigen, wie du an einem guten Arbeitstag aussiehst: freundlich, wach und passend gekleidet. Es muss nicht perfekt sein, aber es sollte professionell wirken. Diese Punkte machen den Unterschied:

  • Aktuell: höchstens ein bis zwei Jahre alt, und du bist darauf gut wiederzuerkennen
  • Ausschnitt: Kopf und Schultern, das Gesicht nimmt etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Höhe ein
  • Blick: in die Kamera, mit einem natürlichen, leichten Lächeln
  • Licht: weich und von vorn, ohne harte Schatten im Gesicht
  • Hintergrund: ruhig und neutral, zum Beispiel hellgrau, weiß oder eine unscharfe Wand
  • Kleidung: so, wie du am ersten Arbeitstag erscheinen würdest, eher eine Stufe schicker

Bei der Kleidung hilft der Blick auf die Branche. In Bank, Versicherung oder Kanzlei passen Hemd, Bluse oder Blazer. Im Handwerk, in der Pflege oder in der IT darf es lockerer sein, ein schlichtes Hemd oder ein ordentliches Oberteil ohne Aufdruck reichen dort völlig.

Fotostudio oder selbst gemacht?

Ein Fotograf mit Erfahrung in Bewerbungsfotos weiß, wie Licht und Haltung wirken, und gibt dir Anweisungen, damit du nicht verkrampft wirkst. Frag vorher nach, ob du eine digitale Datei in guter Auflösung bekommst und ob du sie für Bewerbungen nutzen darfst. Ein Foto aus dem Passbildautomaten ist dagegen keine gute Wahl, es wirkt fast immer steif.

Mit einem aktuellen Smartphone kann auch ein selbst gemachtes Foto gut werden, wenn du ein paar Dinge beachtest. Bitte eine zweite Person, das Foto zu machen, statt ein Selfie aufzunehmen, denn bei kurzem Abstand verzerrt die Kamera das Gesicht. Stell dich mit etwas Abstand vor eine helle, ruhige Wand, am besten mit Tageslicht von einem Fenster schräg vorn. Mach viele Aufnahmen und wähle die, auf der du am entspanntesten aussiehst.

Nicht zu stark bearbeiten

Helligkeit und Ausschnitt anzupassen ist in Ordnung. Stark weichgezeichnete Haut, Filter oder ein ausgetauschter Hintergrund fallen auf. Spätestens im Vorstellungsgespräch sollte man dich auf dem Foto wiedererkennen.

Format, Größe und Datei

Im Lebenslauf hat das Foto meist ein Hochformat, ähnlich einem Passbild, oder es ist quadratisch. In der Breite sind etwa 4 bis 6 cm üblich. Größer wirkt das Foto schnell dominant, kleiner geht es neben dem Text unter. Entscheidend ist, dass es zur Vorlage passt und nicht verzerrt wird.

  • Dateiformat JPG oder PNG, in der fertigen Bewerbung eingebettet in die PDF
  • Auflösung so, dass das Foto auch ausgedruckt scharf bleibt, also kein winziges Vorschaubild
  • Seitenverhältnis beim Zuschneiden beibehalten, nie in die Breite oder Höhe ziehen
  • Für eine Bewerbung auf Papier: auf Fotopapier gedruckt oder direkt im Lebenslauf mitgedruckt

Bei einer Bewerbung per E-Mail schickst du das Foto nicht als eigenen Anhang. Es gehört in den Lebenslauf, und der Lebenslauf geht als PDF hinaus. Wie die Unterlagen insgesamt verschickt werden, steht im Ratgeber Bewerbung schreiben.

Wo das Foto in der Bewerbung hingehört

Üblich ist der Platz im Kopf des Lebenslaufs, entweder rechts oben neben deinem Namen oder bei zweispaltigen Vorlagen oben in der Seitenleiste. Einige Bewerber setzen ein größeres Foto auf ein Deckblatt. Das ist möglich, aber nicht nötig. Ins Anschreiben gehört kein Foto.

Lena Berger

Industriekauffrau · Auftragsabwicklung

Kurzprofil

Industriekauffrau mit neun Jahren Erfahrung in Auftragsabwicklung und Kundenbetreuung. Ich halte Abläufe zusammen, wenn es eng wird, und arbeite gern mit Zahlen, Menschen und klaren Zuständigkeiten.

Berufserfahrung

04/2019 – heute
Sachbearbeiterin Auftragsabwicklung–Rheintal Metallbau GmbH, Koblenz04/2019 – heute
  • Betreuung von rund 120 Geschäftskunden von Angebot bis Rechnung
  • Einführung eines neuen Ablaufs für Reklamationen, Bearbeitungszeit halbiert
  • Einarbeitung von vier neuen Kolleginnen und Kollegen
08/2016 – 03/2019
Kaufmännische Angestellte Vertriebsinnendienst–Mosel Logistik AG, Trier08/2016 – 03/2019
  • Auftragserfassung und Terminplanung im SAP
  • Ansprechpartnerin für Spediteure und Lager

Ausbildung & Qualifikation

08/2013 – 07/2016
Ausbildung zur Industriekauffrau–Mosel Logistik AG, Trier08/2013 – 07/2016
Abschluss vor der IHK Trier, Note 1,8
2011 – 2013
Fachhochschulreife–BBS Wirtschaft, Koblenz2011 – 2013

Weiterbildungen

2022
Ausbildereignung (AdA)–IHK Koblenz2022
2021
SAP S/4HANA Vertrieb–Online-Kurs2021
In der Vorlage „Seitenleiste“ sitzt ein Foto oben in der linken Spalte. Hier siehst du sie ohne Foto: Die Spalte beginnt dann direkt mit den Kontaktdaten, das Layout funktioniert in beiden Fällen.

Bei unseren Vorlagen kannst du ein Foto hochladen, den Ausschnitt selbst zuschneiden und zoomen, es rund oder eckig zeigen oder ganz weglassen, ohne dass das Layout auseinanderfällt. Welche Vorlage mit und ohne Foto wie wirkt, siehst du unter Lebenslauf-Vorlagen.

Häufige Fehler beim Bewerbungsfoto

Ein Foto soll die Bewerbung unterstützen, nicht von ihr ablenken. Diese Fehler sehen Personaler immer wieder, und alle lassen sich leicht vermeiden:

  • Ausgeschnittene Urlaubs- oder Partyfotos, auf denen noch eine fremde Schulter zu sehen ist
  • Selfies mit verzerrtem Gesicht oder Blick von unten
  • Unruhiger Hintergrund wie Bücherregal, Küche oder Auto
  • Sonnenbrille, Kopfhörer oder eine Kappe, die nicht zum Beruf gehört
  • Ein Foto in sehr niedriger Auflösung, das im Lebenslauf verpixelt wirkt
  • Unterschiedliche Fotos in Lebenslauf und Bewerbungsportal oder Netzwerkprofil

Den letzten Punkt unterschätzen viele: Wenn ein Personaler nach deinem Namen sucht und ein ganz anderes Bild findet, wirkt das uneinheitlich. Nutzt du ein berufliches Netzwerkprofil, nimm dort am besten dasselbe Foto oder eines aus derselben Aufnahme.

Bewerben ohne Foto: so wirkt es trotzdem persönlich

Wenn du kein Foto beilegst, muss der Lebenslauf nichts ersetzen. Es fehlt nichts, worauf es ankommt. Persönlich wird deine Bewerbung durch Inhalte: ein Kurzprofil, das zeigt, wer du beruflich bist, und ein Anschreiben, das mit einem eigenen ersten Satz beginnt. Beides erklären wir in den Ratgebern Kurzprofil im Lebenslauf und Einleitung im Anschreiben.

Verzichte darauf, im Anschreiben zu begründen, warum kein Foto dabei ist. Das ist nicht nötig und lenkt nur ab.

Häufige Fragen

Darf ein Arbeitgeber ein Bewerbungsfoto verlangen?

Ausdrücklich verboten ist die Bitte nicht. Weil ein Foto Rückschlüsse auf Merkmale zulässt, die das AGG schützt, verzichten viele Arbeitgeber aber darauf. Du kannst dich in jedem Fall auch ohne Foto bewerben.

Wie alt darf ein Bewerbungsfoto sein?

Am besten nicht älter als ein bis zwei Jahre. Entscheidend ist, dass man dich im Gespräch sofort wiedererkennt, also mit ähnlicher Frisur und ähnlichem Aussehen.

Kann ich ein Handyfoto als Bewerbungsfoto nehmen?

Ja, wenn es gut gemacht ist: von einer zweiten Person aufgenommen, mit etwas Abstand, bei weichem Tageslicht und vor einem ruhigen Hintergrund. Ein Selfie oder ein ausgeschnittenes Urlaubsfoto ist keine gute Wahl.

Gehört das Foto auf ein Deckblatt oder in den Lebenslauf?

Üblich ist der Lebenslauf, rechts oben oder in der Seitenleiste. Ein Deckblatt mit Foto ist möglich, aber freiwillig. Ins Anschreiben gehört kein Foto.

Weiterlesen

Alle Artikel findest du in der Übersicht des Bewerbungsratgebers.

Lebenslauf mit oder ohne Foto erstellen

Erst gestalten, am Ende 2,99 € zahlen. Kein Abo.