Stand: 29.10.2026 · 6 Min. Lesezeit

Einleitung im Anschreiben: die ersten Sätze

Der erste Satz im Anschreiben entscheidet oft darüber, ob der Rest aufmerksam gelesen wird. Trotzdem beginnen viele Anschreiben fast gleich: mit „hiermit bewerbe ich mich“ oder „mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen“. Das ist nicht falsch, aber es verschenkt den wichtigsten Platz auf der Seite.

In diesem Ratgeber zeigen wir, was eine gute Einleitung leistet, welche vier Einstiege sich bewährt haben und wie du schwache Sätze umschreibst. Mit vielen Beispielen für unterschiedliche Situationen, vom Berufseinsteiger bis zur Initiativbewerbung.

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Warum der erste Satz so viel Gewicht hat

Wer viele Bewerbungen liest, überfliegt zuerst. Betreff und erster Absatz entscheiden, ob jemand weiterliest oder direkt zum Lebenslauf springt. Ein Einstieg, der in jeder Bewerbung stehen könnte, gibt dem Leser keinen Grund, bei dir länger zu bleiben. Ein Einstieg, der sofort zeigt, was du mitbringst, schon.

Eine gute Einleitung beantwortet in ein bis zwei Sätzen: Wer bist du beruflich, und warum passt das zu dieser Stelle? Dass es um eine Bewerbung geht, steht bereits im Betreff. Diese Information musst du nicht wiederholen.

Der Betreff kommt zuerst

Die Einleitung baut auf dem Betreff auf. Steht dort „Bewerbung als Sachbearbeiterin Auftragsabwicklung, Kennziffer 2026-114“, ist klar, worum es geht, und dein erster Satz kann direkt mit dem Inhalt beginnen. Wie Betreff und Anrede nach DIN 5008 aussehen, steht in der Anschreiben-Vorlage.

Vier Einstiege, die funktionieren

Mit deiner Erfahrung

Du nennst sofort, was du seit wann machst, und verbindest es mit der Stelle. Passt fast immer, wenn du Berufserfahrung hast.

Mit der Anforderung der Stelle

Du greifst auf, was die Anzeige sucht, und zeigst, dass du genau das kannst. Gut, wenn die Anzeige eine klare Kernaufgabe nennt.

Mit einem Ergebnis

Du beginnst mit einer Zahl oder einem Erfolg, der zur Stelle passt. Wirkt stark, wenn du ein greifbares Ergebnis hast.

Mit einem echten Bezug

Du nennst einen konkreten Kontakt zum Unternehmen: ein Gespräch auf einer Messe, ein Praktikum, eine Empfehlung. Nur, wenn es den Bezug wirklich gibt.

Welcher Einstieg passt, hängt von dir und der Anzeige ab. Wichtig ist nur, dass der erste Satz etwas über dich aussagt, das ein anderer Bewerber nicht genauso schreiben könnte.

Schwache und bessere Einstiege im Vergleich

Die folgenden Paare zeigen typische Einleitungen und eine stärkere Variante. Alle Namen, Firmen und Zahlen sind erfunden.

Mit Berufserfahrung

Schwächer

„Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle als Teamleitung Auftragsabwicklung.“

Besser

„Sie suchen eine Teamleitung, die Aufträge von Angebot bis Rechnung im Griff hat. Genau das mache ich seit fünf Jahren für rund 120 Geschäftskunden.“

Der Satz verbindet die Anforderung mit einer konkreten Erfahrung.

Schwächer

„Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige auf Ihrer Website gelesen.“

Besser

„Seit drei Jahren betreue ich als Medizinische Fachangestellte die Anmeldung einer Hausarztpraxis mit 60 Patienten am Tag. Diese Erfahrung möchte ich in Ihre Praxis einbringen.“

Interesse wird gezeigt statt behauptet.

Als Berufseinsteiger oder für eine Ausbildung

Schwächer

„Ich bewerbe mich um einen Ausbildungsplatz, weil ich schon immer gern mit Autos gearbeitet habe.“

Besser

„In meinem Praktikum bei Autohaus Schmitt durfte ich zwei Wochen in der Werkstatt mitarbeiten und habe dort unter anderem beim Reifenwechsel und bei der Inspektion geholfen. Deshalb möchte ich bei Ihnen die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker beginnen.“

Ein echtes Erlebnis ersetzt das allgemeine „schon immer“.

Schwächer

„Nach meinem Studium suche ich nun eine neue Herausforderung.“

Besser

„In meiner Bachelorarbeit habe ich die Lagerprozesse eines Großhändlers untersucht und Vorschläge für kürzere Wege entwickelt. Diese Arbeit möchte ich als Trainee in Ihrer Logistik fortsetzen.“

Das Studium wird mit einem konkreten Thema greifbar.

Beim Branchenwechsel

Schwächer

„Obwohl ich keine Erfahrung im Vertrieb habe, möchte ich mich bei Ihnen bewerben.“

Besser

„Sechs Jahre in der Pflege haben mich gelehrt, Menschen in schwierigen Momenten zuzuhören und klar zu erklären. Genau diese Stärke möchte ich jetzt als Kundenberater im Vertrieb medizinischer Hilfsmittel einsetzen.“

Statt mit einer Schwäche beginnt der Satz mit einer übertragbaren Stärke.

Mit Empfehlung oder Kontakt

Schwächer

„Ich habe von einem Bekannten erfahren, dass Sie Mitarbeiter suchen.“

Besser

„Ihr Mitarbeiter Thomas Weber hat mir erzählt, dass Sie für Ihr Lager in Koblenz Verstärkung suchen. Als Fachkraft für Lagerlogistik mit Staplerschein kann ich ab dem 01.01.2027 bei Ihnen einsteigen.“

Der Name schafft Vertrauen, der zweite Satz liefert sofort den Grund.

Bei einer Initiativbewerbung

Schwächer

„Ich möchte mich initiativ bei Ihnen bewerben und hoffe, dass Sie eine passende Stelle für mich haben.“

Besser

„Ihr Unternehmen baut gerade einen Standort in Trier auf. Als Industriekauffrau mit Erfahrung in der Auftragsabwicklung kann ich helfen, dort die Abläufe von Anfang an sauber aufzustellen.“

Der Einstieg zeigt, dass du dich mit dem Unternehmen beschäftigt hast, und bietet etwas an.

So schreibst du deinen eigenen Einstieg

  1. 1

    Kernanforderung finden

    Lies die Anzeige und markiere die eine Aufgabe, die am wichtigsten erscheint. Oft steht sie als erster Punkt unter „Ihre Aufgaben“.

  2. 2

    Passenden Beleg suchen

    Such in deinem Lebenslauf die Station oder das Ergebnis, das diese Aufgabe am besten belegt. Eine Zahl oder ein konkretes Beispiel ist ideal.

  3. 3

    Zwei Sätze formulieren

    Satz eins nennt Erfahrung oder Beleg, Satz zwei verbindet ihn mit der Stelle. Mehr braucht die Einleitung nicht.

  4. 4

    Laut lesen und kürzen

    Klingt der Satz nach dir? Streich Füllwörter wie „hiermit“, „sehr gern“ und „natürlich“, bis nur der Inhalt übrig bleibt.

Wenn dir der Anfang schwerfällt, schreib zuerst den Hauptteil. Oft findest du dort einen Satz, der so gut ist, dass er nach oben gehört. Das Anschreiben bei uns entsteht passend zur Stellenanzeige, du kannst jeden Satz danach selbst ändern.

Was du in der Einleitung vermeidest

  • „Hiermit bewerbe ich mich“ und andere Sätze, die nur den Betreff wiederholen
  • Wo du die Anzeige gefunden hast, außer es ist für das Unternehmen wichtig
  • Übertriebene Begeisterung wie „Ihre Anzeige hat mich sofort begeistert“ ohne Begründung
  • Entschuldigungen und Einschränkungen, etwa „Obwohl ich noch wenig Erfahrung habe“
  • Fragen als Einstieg, die der Leser nicht beantworten will, etwa „Suchen Sie jemanden, der …?“
  • Lange Sätze über drei Zeilen, die beim Lesen den Faden verlieren

Ein Einstieg muss nicht originell um jeden Preis sein. Ein ruhiger, konkreter Satz wirkt besser als ein Spruch. Ziel ist, dass der Leser nach zwei Sätzen weiß, warum er weiterlesen sollte.

Vorsicht auch bei Einstiegen, die du im Internet findest und unverändert übernimmst. Was in vielen Vorlagen steht, liest ein Personaler oft mehrmals am Tag. Nutze die Beispiele auf dieser Seite deshalb als Muster für den Aufbau und setz deine eigene Erfahrung, deine eigenen Zahlen und den Namen der Stelle ein. Erst dann wird aus dem Muster ein Satz, den nur du schreiben kannst.

Nach der Einleitung: so geht es weiter

Auf die Einleitung folgen ein oder zwei Absätze, in denen du zwei weitere Anforderungen der Anzeige mit Beispielen aus deinem Werdegang belegst. Zum Schluss stehen der Wunsch nach einem Gespräch und, falls gefragt, Eintrittstermin und Gehaltsvorstellung. Das vollständige Beispiel mit allen Absätzen findest du in der Anschreiben-Vorlage nach DIN 5008.

Lena Berger

Industriekauffrau · Auftragsabwicklung
Lindenweg 4, 56068 Koblenz|Mobil: 0160 1234567|lena.berger@beispiel.de
Lena Berger · Lindenweg 4 · 56068 Koblenz
Westerwald Fenster GmbH
Frau Sandra Klein
Industriestraße 12
56410 Montabaur
Koblenz, 29.10.2026
Bewerbung als Teamleitung Auftragsabwicklung

Sehr geehrte Frau Klein,

Sie suchen eine Teamleitung, die Aufträge von Angebot bis Rechnung im Griff hat und ein Team gut einarbeitet. Genau das mache ich seit fünf Jahren bei der Rheintal Metallbau GmbH, und ich möchte den nächsten Schritt gehen.

Dort betreue ich rund 120 Geschäftskunden und habe den Ablauf für Reklamationen neu aufgesetzt. Die Bearbeitungszeit hat sich dadurch halbiert. SAP SD und Excel nutze ich täglich, vier neue Kolleginnen und Kollegen habe ich eingearbeitet. Seit 2022 habe ich zudem die Ausbildereignung.

Mir liegt es, Abläufe ruhig und verbindlich zu steuern, auch wenn viele Aufträge gleichzeitig laufen. Mit Großkunden spreche ich auf Deutsch und Englisch.

Über die Einladung zu einem persönlichen Gespräch freue ich mich. Ich kann mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten bei Ihnen beginnen.

Mit freundlichen Grüßen

Lena Berger

Ein vollständiges Anschreiben, das ohne „hiermit“ beginnt. Vorlage „Klar“, Person und Unternehmen sind erfunden.

Achte darauf, dass Anschreiben und Lebenslauf zusammenpassen. Was du in der Einleitung ankündigst, sollte der Leser im Lebenslauf wiederfinden. Wie du deinen Werdegang oben im Lebenslauf zusammenfasst, zeigt der Ratgeber Kurzprofil im Lebenslauf.

Häufige Fragen

Darf ich mit „hiermit bewerbe ich mich“ anfangen?

Erlaubt ist es, falsch ist es auch nicht. Der Satz sagt aber nur, was schon im Betreff steht. Mit einem Einstieg über deine Erfahrung oder die Anforderung der Stelle nutzt du den ersten Satz besser.

Wie lang sollte die Einleitung sein?

Ein bis zwei Sätze, höchstens drei Zeilen. Die Einleitung soll neugierig machen, die Belege folgen im Hauptteil.

Muss ich schreiben, wo ich die Anzeige gefunden habe?

Nein. Das ist nur sinnvoll, wenn das Unternehmen ausdrücklich danach fragt oder wenn ein persönlicher Kontakt dahintersteckt, etwa ein Gespräch auf einer Messe.

Kann ich mit einer Frage einsteigen?

Möglich ist es, aber riskant. Rhetorische Fragen wirken schnell wie Werbung. Ein klarer Satz über deine Erfahrung ist fast immer die sicherere Wahl.

Weiterlesen

Alle Artikel findest du in der Übersicht des Bewerbungsratgebers.

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